Mietpreisbremse anwenden!

Aufgrund eines Falls im Bekanntenkreis möchten wir neue ADO-(und andere) Mieter*innen auf die Möglichkeiten der Mietpreisbremse hinweisen: Wer eine überteuerte Wohnung nehmen muss, weil er*sie nichts anderes findet kann unterschreiben und der Hausverwaltung sofort eine Rüge wegen der Miethöhe schicken. Dafür gibt es Vordrucke im Internet. In dem Fall ging es um eine unverschämte Kaltmiete von ca. 700 Euro für eine 2-Zimmerwohnung in einem Haus mit sehr schlechtem Zustand. Laut Mietspiegel hätte die Wohnung unter 400 Euro Kaltmiete kosten müssen! Den aktuellen Mietspiegel findet ihr im Internet, z.B. hier.

Nachdem die Hausverwaltung nicht reagierte ließ sich die Person beraten durch einen Mieter*innenverein, der dann einen Brief von einem Anwalt schickte. Die Hausverwaltung bot eine Senkung der Miete um 100 Euro an. das war jedoch immer noch zu wenig – nach einem weiteren Briefwechsel konnte die Kaltmiete um insgesamt 230 Euro pro Monat gesenkt werden – fast 3.000 Euro im Jahr. Er bekam die Differenz der bereits gezahlten Miete seit dem Zeitpunkt, an dem er den ersten Brief mit der Rüge geschrieben hatte, von der Hausverwaltung zurück gezahlt. Es wäre auch noch mehr rauszuholen gewesen, hätte sein Vormieter nicht seinen Vertrag vor Juni 2015 mit der Miethöhe, die der Bekannte nun zahlt, geschlossen.

Juni 2015 ist der Zeitpunkt zu dem die Mietpreisbremse beschlossen wurde. Sie ist ein stumpfes Messer in Bezug auf die krasse Mietpreisentwicklung in Berlin, aber individuell macht es total Sinn es zu probieren! Wer keine Energie hat das selbst zu machen kann auch das Unternehmen WenigerMiete.de beauftragen das für einen zu machen. Bitte erzählt das auch weiter, es hilft uns allen wenn Hausverwaltungen nicht mit unverschämten Mieterhöhungen durchkommen. Laut dem Gesetz sind Erhöhungen 10% über dem Mietspiegel bei Neuvermietungen OK, alles andere ist illegal.

Mieterhöhung erfolgreich wiedersprochen!

Sowohl bei uns im Haus als auch in anderen ADO-Häusern mit denen wir vernetzt sind, sollten vor einigen Monaten die Mieten erhöht werden. Doch wir haben es nicht einfach hingenommen und statt dessen als Hausgemeinschaft zusammen besprochen was dagegen zu tun ist. Einige von uns haben sich bei der Berliner Mietergemeinschaft und anderen Mieter*innenvereinen Beratung eingeholt und es wurde schnell klar: Die Forderungen von ADO waren ungerechtfertigt hoch. Bei einigen lag die Miete bereits ohne Erhöhung über dem Mietspiegel. Zudem ist der Zustand des Hauses seit ADO es verwaltet massiv schlechter geworden: dreckiges Treppenhaus selbst nach der wöchentlichen „Reinigung“, verwahrloster „Garten“ im Hinterhaus, unnutzbare Keller wegen einem Wasserschaden seit August 2016, der trotz wiederholte Beschwerden nicht behoben wird … Das alles wäre nicht so schlimm, würden wir nicht so hohe Betriebskosten für diesen „Service“ zahlen müssen!! Dafür sogar noch mehr Miete zu verlangen ist unverschämt.

Einige Mieter*innen haben also mit ADO verhandelt und Mängel aufgeführt, andere haben nur widersprochen. Beide Strategien waren von Erfolg gekrönt! Einige Mieter*innen mit alten Verträgen und niedrigen Mieten mussten zwar Mieterhöhungen hinnehmen, jedoch wesentlich geringer als von ADO gefordert. Andere haben gar nichts mehr von ADO gehört – da sie nicht innerhalb von 3 Monaten verklagt wurden bleibt die Miete also wie sie ist.

Es lohnt sich also nicht gleich zu unterschreiben aus Angst vor ADOs Anwält*innen, sondern zu wiedersprechen und zu verhandeln! Am besten gemeinsam mit anderen Nachbar*innen. Und wer in einem Mieter*innenverein Mitglied ist und sich rechtlich beraten lässt ist sowiso auf der sicheren Seite.

Musterknaben eG – miese Abzocke!

Steht auf eurer Betriebskostenrechnung neuerdings auch der Punkt „Musterknaben eg“ für „Müllmanagement“? Widersprecht dagegen! Die Firma beschreibt sich auch als Spezialist für die „Optimierung von Betriebskosten und Entsorgungsdienstleistungen“ – Optimierung = Kostensteigerung für die Mieter_innen?! Ja, denn es geht darum die Betriebskosten so hoch wie möglich zu gestalten, damit ärmere Mieter_innen ausziehen müssen und ADO mit neuen Mieter_innen wesentlich teurere Mietverträge schließen kann.

Laut unseren Informationen aus anwaltlichen Beratungen ist es rechtlich nicht OK uns einerseits einen teuren Hauswart anzurechnen (den übrigens niemand regelmäßig im Haus sieht) und uns gleichzeitig dessen traditionelle Aufgaben wie eben „Müllmanagement“, also auf die Füllhöhe der Mülltonnen achten etc. durch eine andere Firma zu berechnen (die übrigens auch noch nie jemand von uns gesehen hat). Also lasst das nicht mit euch machen und wiedersprecht gegen die Betriebskosten! Lasst euch bei der Berliner Mietergemeinschaft oder ähnlichen Organisationen beraten und geht in die Auseinandersetzung. Es lohnt sich auch finanziell.

Wollt ihr noch was witziges lesen? Auf ihrer Homepage zitiert die Musterknaben eG den ehemaligen UN Generalsekretär Ban Ki-moon „Genossenschaften zeigen der internationalen Gemeinschaft, dass es möglich ist, beides zu verfolgen: Wirtschaftlichkeit und gesellschaftliche Verantwortung“

Wirtschaftlichkeit?! – Der „innovative Dienstleister“ hat ein überflüssiges Geschäftsmodell entwickelt, das Mieter_innen zusätzliche Kosten verursacht. Wirtschaftlichkeit sieht anders aus. Gesellschaftliche Verantwortung?! – bei der Verdängung von ärmeren Mieter_innen zu assistieren ist so ziemlich das Gegenteil!

Artikel im Mieterecho über ADO Immobilien GmbH

„Die Geschichte und Struktur von ADO ist ein Musterbeispiel für die Möglichkeiten, die der liberalisierte Finanzmarkt samt seiner Steueroasen eröffnet.“

Guter Artikel zum skandalösen Geschäftsmodell der ADO Immobilien Gmbh:

Ein leider steiler Aufstieg
Der Immobilienkonzern ADO verzeichnet in Berlin rasantes Wachstum und steigende Profite

Von Rainer Balcerowiak, MieterEcho 395 / Mai 2018
Wenn von börsennotierten Immobilienunternehmen in Berlin die Rede ist, geht es meistens um die Deutsche Wohnen AG. Doch längst haben sich auch andere große Player auf diesem lukrativen Markt etabliert und befinden sich kontinuierlich auf Wachstumskurs. Einer davon ist ADO Properties, eine in Luxemburg angesiedelte Firma, die ihre Investments ausschließlich in Berlin tätigt.

ADO-Mieter_innen vernetzen sich

Wir und andere ADO-Mieter_innen haben sich vernetzt um zukünftig gemeinsam auf unsere Probleme mit der Immobilienfirma aufmerksam zu machen. Die Initiative wurde in zwei Artikel erwähnt:

Neues Deutschland 14.04.2018
Initiativen fordern Kurswechsel
Wohnungspolitik soll radikal geändert werden, Rot-Rot-Grün unterstützt Bündnis

Mieter vernetzen sich
Mieter aus Häusern, die zum Firmengeflecht des börsennotierten Immobilienkonzerns ADO Properties S.A. gehören, haben begonnen sich stadtweit zu vernetzen. Nach rasantem Wachstum in den vergangenen drei Jahren besitzt ADO mittlerweile rund 21 000 Wohn- und 1340 Gewerbeeinheiten in Berlin, vorwiegend in begehrten innerstädtischen Lagen. Die Strategie von ADO ist: Aufwertung der Wohnungen durch Modernisierungen, verbunden mit Druck auf Mieter, die Wohnungen aufzugeben. damit sie anschließend deutlich teurer vermietet werden können. […] Insgesamt ein offenbar erfolgversprechendes Geschäftsmodell. Der Preis der ADO-Aktie hat sich seit der Emission an der Frankfurter Börse im Juli 2015 mehr als verdoppelt, von 20 auf 45 Euro. balc

MieterEcho 12.04.2018
ADO-Mieter/innen wollen sich weiter vernetzen
Immobilienkonzern setzt konsequent auf Aufwertung und hohe Mietsteigerungen

Wenn ihr auch Probleme mit ADO habt und euch vernetzten wollt, schreibt uns: antiado@riseup.net



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